Artikel: Petrichor: Der Duft des Regens
Petrichor: Der Duft des Regens
Überarbeitet und neu veröffentlicht am 20.08.2026

Artikel: Petrichor: Der Duft des Regens
Überarbeitet und neu veröffentlicht am 20.08.2026
Der Duft des Regens
Petrichor
Nach einer längeren trockenen Phase genügen manchmal wenige Tropfen, und die Luft verändert sich. Ein erdiger, mineralischer Geruch steigt vom Boden auf – unverwechselbar und meist nur von kurzer Dauer.
Dieser Geruch hat einen Namen: Petrichor.


Der Begriff wurde 1964 von den australischen Forschenden Isabel Joy Bear und Richard G. Thomas geprägt. Er verbindet das griechische petra, Stein, mit ichor, jener Flüssigkeit, die in der griechischen Mythologie durch die Adern der Götter floss.
Bear und Thomas untersuchten einen Geruch, der seit Langem mit dem ersten Regen nach einer trockenen Periode verbunden war. In Gestein und Erde fanden sie ein gelbliches Öl, das sich unter trockenen Bedingungen anreichert und durch Feuchtigkeit wieder freigesetzt wird.
Petrichor bezeichnet deshalb nicht einfach den Geruch des Regens selbst. Er entsteht in der Begegnung von Wasser, trockenem Boden und Luft.
Wenn ein Regentropfen auf eine poröse Oberfläche trifft, können an der Kontaktstelle winzige Luftbläschen eingeschlossen werden. Sie steigen durch den Tropfen nach oben und zerplatzen an seiner Oberfläche. Dabei gelangen feine Aerosole in die Luft, die Bestandteile des vertrauten Duftes mit sich tragen.
Die Stärke des Petrichors hängt deshalb von mehreren Bedingungen ab: von der vorangegangenen Trockenheit, der Beschaffenheit des Bodens, der Feuchtigkeit und davon, wie der Regen auf die Oberfläche trifft.
Ein alltägliches sinnliches Erlebnis beruht auf einer präzisen Folge physikalischer Vorgänge.




Für die erste Sapor-Kampagne haben wir Petrichor aus der Natur in einen urbanen Zusammenhang übertragen.
Fotografiert wurde in Köln: zwischen dunklen Fassaden, hellem Stein, Asphalt und klaren architektonischen Linien. Die Stadt bildet keine bloße Kulisse. Ihre Oberflächen reagieren auf das Wetter, werden dunkler, spiegeln Licht und verändern die Wahrnehmung von Farbe.
Die Bilder zeigen den Regenschirm deshalb nicht als isoliertes Produkt. Er erscheint in Beziehung zum Körper, zur Kleidung, zur Architektur und zu einem zweiten Menschen. Geöffnet und geschlossen. In Bewegung und im Stillstand. Als Schutz, aber auch als selbstverständlicher Teil des Bildes.
Rot steht vor schwarzem Holz. Gedämpftes Grün trifft auf dunkle Kleidung. Helles Gestein lässt Konturen und Farben hervortreten. Der Regen ist nicht immer sichtbar, aber seine Anwesenheit bestimmt jede Aufnahme.




Petrichor dauert nicht lange. Sobald der Boden vollständig nass ist, verliert sich seine besondere Intensität.
Vielleicht nehmen wir den Duft gerade deshalb so deutlich wahr. Er markiert einen Übergang: von trocken zu nass, von Erwartung zu Ereignis, von einer vertrauten Stadt zu einer für einen Moment veränderten Umgebung.
Ein guter Regenschirm lässt das Wetter nicht verschwinden. Er ermöglicht uns, uns darin zu bewegen und die Veränderung wahrzunehmen.
Embrace the rain.
Quellen: I. J. Bear und R. G. Thomas, „Nature of Argillaceous Odour“, Nature, 1964; Young Soo Joung und Cullen R. Buie, „Aerosol Generation by Raindrop Impact on Soil“, Nature Communications, 2015.



